Gürteltier Fakten

Die Gürteltiere (wissenschaftlicher Name "Dasypodidae") sind Säugetiere aus der Familie der Nebengelenktiere. Zusammen mit Faultieren und Ameisenbären sind sie die letzten Überlebenden dieser Gruppe, die in der Tertiärzeit sehr viel artenreicher war. Dillo

Der natürliche Lebensraum der Gürteltiere ist der amerikanische Kontinent. Ihre Wiege stand in Südamerika:
bereits vor sechzig Millionen Jahren bevölkerten Nebengelenktiere mit Knochenpanzer (wie das "Glyptodon") diesen Erdteil. Viele Millionen Jahre entwickelte sich - von der übrigen Welt abgeschnitten - formenreiche Stämme. Erst vor wenigen Millionen Jahren gelangten Angehörige dieser Gruppe auch nach Nordamerika. Es waren Riesenfaultiere, denen zur Eiszeit dann auch die Gürteltiere in den Norden folgten. Von den gepanzerten Nebengelenktieren dieses Zeitalters überlebten nur die Gürteltiere bis in die Gegenwart. Nur wenige, an ökologische Nischen angepasste, Arten waren in der Lage, sich trotz des Auftretens neuer Feinde oder Futterkonkurrenten während der Eiszeit zu behaupten.
Heute reicht das Verbreitungsgebiet der verschiedensten Gürteltierarten von Argentinien bis in den Südosten der USA.

Ihren amerikanischen Namen "Armadillo" (spanisch für "Bewaffnete" oder "Gepanzerte") verdanken die Gürteltiere ihrem Hautknochenpanzer, der unter den Säugetieren einzigartig ist. Dieser Panzer ist jedoch nicht wie bei einer Schildkröte starr, sondern durch mehrere Hautfalten in der Körpermitte unterbrochen, so dass gürtelartige Knochenringe entstehen, die zur Bauchseite hin offen sind. In den ersten Lebenswochen ist der Gürteltierkörper gänzlich mit Hornschuppen bedeckt; unter diesen Schuppen entstehen Verknöcherungen, die sich zu vieleckigen harten Knochenplatten erweitern. Diese fügen sich im Verlaufe des Wachstums zu einem festen Kopf-, Schulter- und Beckenschild und einer Reihe von Gürteln zusammen. Auch am Schwanz und auf den Vorderseiten der Gliedmaßen erhärten sich die Verknöcherungen, während sie auf der Bauchseite weitgehend zurückgebildet werden. Statt dessen ist die Bauchseite mehr oder weniger dicht behaart. Der Panzer bietet in erster Linie Schutz gegen Feinde. Manche Gürteltiere können sich mittels bestimmter Muskeln blitzschnell einrollen (Kugelgürteltiere). So einen gepanzerten Ball vermag selbst ein Jaguar nur mit Mühe zu öffnen.

Neben ihrem Panzer haben Gürteltiere noch eine zweite Möglichkeit ihren Feinden schnell zu entkommen. Ihre Krallen sind ausgezeichnete Grabwerkzeuge, die es ihnen ermöglichen, sich blitzschnell in den Boden zu graben und vor den Augen der Verfolger "im Boden zu versinken".

Die Hauptnahrung der Gürteltiere besteht aus Insekten, Schnecken und Würmern. Einige Arten ernähren sich zusätzlich auch von Aas und unterirdischen Pflanzenteilen. Weichgürteltiere (dazu gehört u.a. das Neunbinden-Gürteltier) bevorzugen als reine Insektenfresser Käfer und deren Larven. Bestens geeignet zum Insektenfang ist die wurmförmige Zunge. Sie ist mit kleinen Warzen bedeckt und von einer Drüsenabsonderung überzogen an der Insekten leicht hängen bleiben. Besonders gut ist bei Gürteltieren der Geruchssinn entwickelt; Würmer im Boden können sie damit leicht aufspüren. Geschmacks- und Sehsinn sind hingegen nicht sonderlich gut. Der Sehsinn spielt bei den vorwiegend nachtaktiven Tieren nur eine untergeordnete Rolle. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Gürteltiere vermutlich keine Farben unterscheiden können, da in ihren ohnehin sehr kleinen Augen die Zapfen fehlen, die anderen Tieren das Farbsehen ermöglichen.

Wissenschaftlich besonders gut untersucht ist das Neunbinden-Gürteltier, es gehört zur Gattung der Weichgürteltiere ("Dasypodini"). Diese sind klein bis mittelgroß, ihr Hautknochenpanzer ist dünn und leicht und beim lebenden Tier biegsam. Ihre Färbung ist dunkelbraun, graubraun bis gelblich-beige, sie haben sechs bis elf Gürtel und einen fast körperlangen Schwanz, der mit Knochenringen bedeckt ist. Sie sind gute Läufer, die Vordergliedmaßen haben vier Finger, die Hintergliedmaßen sind mit fünf Zehen bestückt. Es sind vier Arten von Weichgürteltieren von Texas bis nach Mittelargentinien verbreitet.

Das Neunbinden-Gürteltier ("Dasypus novemcinctus") ist nicht nur das bekannteste Gürteltier dieser Art, es ist auch am weitesten verbreitet. Mit einer Körperlänge von 40-50cm und einem Gewicht von ca. 6 Kilo ist es nur wenig kleiner als der größte Vertreter der Art, das Kappler Weichgürteltier, das bis zu 56cm lang werden kann. Ein kleinerer und seltenerer Verwandter des Neunbinden-Gürteltiers ist das Siebenbinden-Gürteltier, dass nur sieben Gürtel zwischen den beiden Teilen des Hautknochenpanzers hat. Äußerst selten ist das Pelzgürteltier, dessen Vorkommen nur aus hochgelegen Gebieten Ecuadors und Perus bekannt ist. Sein Hautknochenpanzer ist nicht sichtbar, da er von langen rostbraunen bis dunkelgrauen Borsten verdeckt ist. Dillo
Bei physiologischen Untersuchungen des Neunbinden-Gürteltiers wurde festgestellt, dass es einen sehr niedrigen Sauerstoffverbrauch hat und beim Graben (also bei Anstrengung) sogar für etwa sechs Minuten die Luft anhalten kann. So wird verhindert, dass beim Graben Erde in die Atemwege geraten kann. Neunbinden-Gürteltiere können außerdem schwimmen; ihre Bewegungen dabei ähneln dem Paddeln eines Hundes. Man hat beobachtet, dass sich ein Gürteltier bevor es eine größere Strecke schwamm, Magen und Darm mit geschluckter Luft aufblähte. Allerdings können nicht alle Gürteltierarten so gut schwimmen wie das Neunbinden-Gürteltier. Die Körpertemperatur des Neunbinden-Gürteltiers ist zu einem gewissen Grad von der Außentemperatur abhängig; die Wärmeregelung ist nur mangelhaft, sie ähnelt der von Kriechtieren. Längere Frostperioden können Gürteltiere selbst in einer gut gepolsterten Erdhöhle nicht überleben.

Die Paarungszeit des Neunbinden-Gürteltiers liegt im Juli, die Jungen werden im Februar oder März geboren. Geboren werden stets eineiige Vierlinge des gleichen Geschlechts. Sie sind bereits nach der Geburt voll entwickelt und werden einige Wochen von der Mutter gesäugt. Schon mit sechs Monaten erreichen auch sie die Geschlechtsreife.

Das Neunbinden-Gürteltier ist inzwischen in den USA heimisch. Von Mexico aus wanderte es in Texas, Florida, Oklahoma und Louisiana ein. Der Mensch hat zur Verbreitung der Tiere in diesen Teilen der USA ganz wesentlich beigetragen. Er veränderte seine Umwelt so, dass sie zu einem akzeptablen Lebensraum für Gürteltiere wurde. Das Gürteltier wurde wegen seiner Nahrungswahl als Schädlingsvertilger von den Farmern geschätzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann die Ausdehnung der Gürteltierpopulation nach Osten. Oftmals fuhren Gürteltiere unfreiwillig als ‚blinde Passagiere' auf Viehtransporten mit und fanden in den Wald- und Sumpfgebieten des Südostens der USA eine neue Heimat. Während des ersten Weltkrieges brachte ein Matrose ein Pärchen Neunbinden-Gürteltiere nach Florida. Es entkam ihm in der Stadt Hileah und in den zwanziger Jahren fand man nahe der Stadt mehrere Neunbinden-Gürteltiere. Dies waren die ersten Gürteltiere, von denen man in Florida berichtete. Der weiteren Verbreitung des Gürteltieres stehen nur längere Kälteperioden und ein Mangel an geeigneten Futterinsekten entgegen. Eine weitere Ausbreitung der Tiere in den Nordosten der USA ist also wahrscheinlich.

Gürteltiere bevorzugen als Lebensraum bewaldete, leicht sumpfige Regionen. Ihre Höhlen legen sie an Bach- und Flussrändern in der Nähe von Sträuchern an. Eine solche Wohnhöhle besteht aus einem bis zu sieben Meter langen Gang, der fünfzehn bis zwanzig Zentimeter Durchmesser hat. An seinem Ende befindet sich in einer Ausbuchtung das Nest. Blätter und Gras werden als Schlafunterlage beschafft. Wird das Gürteltier gejagt, so kann es sich in seiner Höhle mit Rücken und Füßen fest verkeilen und ist selbst unter größtem Kraftaufwand kaum herauszubekommen. Das Neunbinden-Gürteltier verlässt in den warmen Sommermonaten nur abends und nachts seine Höhle. Bei niedrigen Temperaturen nutzt es aber auch die Mittagssonne zur Nahrungssuche. Gürteltiere können durch ihren Geruchssinn Insekten und Würmer bis zu zwanzig Zentimeter tief im Boden aufspüren. Werden Gürteltiere verfolgt, so können sie blitzschnell von einer unbeholfenen Gangart in einen schnellen Galopp wechseln und werden dabei selbst von Menschen über kurze Strecken nicht eingeholt.

Natürliche Feinde des Gürteltiers sind in den Südstaaten der USA selten geworden. Konnten ihnen früher große Raubtiere wie z.B. Puma, Wolf und Kojote gefährlich werden, so ist es heute hauptsächlich der Mensch mit seinem Auto. Gürteltiere scheinen das amerikanische Equivalent des Igels zu sein - sie werden allzu oft Opfer ihres aktiven Nachtlebens.
Ein unerwartetes Geräusch, z.B. ein herannahendes Auto, löst einen reflexartigen Sprung aus - die Gürteltiere werden nicht von den Rädern erfasst, sondern vielmehr beim Hochschnellen vom Auto getroffen.